Erzählung von Ernst Wünsch
Erscheint voraussichtlich Sommer 2009 im Verlag Sisyphos.
EXPOSE
Smut ist ein arbeitsloser Mittfünfziger, der einen Job sucht.
Kaum verlor er seine Stelle als Teilzeit-Bürokraft, verließ ihn auch noch seine Frau. Mit seiner halbwüchsigen Tochter pflegt er sporadischen Kontakt.
Er ist Hobbylyriker und kann halbwegs gut kochen.
Der 93jährige Korg war in den 1960ern als Aktionist und Theatererneuerer aktiv, lebt mit seinem Terrier Castor in der Casa Rosa, einem ehemaligen Fiakerhof in der Wiener Vorstadt. Da er etwas gebrechlich ist, sucht er Unterstützung im Haushalt und einen Hundebetreuer. Sein Jobangebot, auf das schwarze Brett eines Supermarkts affichiert, lautet: „Heizer gesucht“.
Beide sind, unabhängig voneinander, gesellschaftliche Randerscheinungen, fallen gelassene, überflüssig gewordene Verlierertypen, für die sich niemand interessiert, die keiner braucht. Smut, weil er es zu nichts gebracht hat in seinem Leben und als „50 plus“ am Arbeitsmarkt keine Chance hat, und der verkannte Künstler Korg, weil er als unbequemer Avantgardist seinerzeit zwar für Skandale gesorgt hat, aber alles andere als ein Verkaufsschlager gewesen war.
Während Smut unter seinem Außenseitertum leidet, erachtet Korg diese Ausgrenzung als Privileg. Er hat immer nur Kunst gegen das gerade aktuelle Gesellschaftssystem gemacht und findet es pervers, von denen gelobt und hofiert zu werden, die er verachtet, darunter namhafte Kunstexperten und Kulturmanager. Von der Öffentlichkeit quasi geächtet, lebt Korg sein isoliertes Leben, unbeirrt von der permanenten Ausgrenzung und der öffentlichen Ablehnung irgendwie zum Trotz, sucht aber schlussendlich jemanden, dem er sich mitteilen kann, einen Zuhörer gegen Bezahlung sozusagen, der seine philosophischen Tiraden auch noch protokolliert und seinen Beitrag zur Theatererneuerung für die Nachwelt konserviert. Warum nicht einen „Heizer“?
Smut, der sich vor Hunden eher fürchtet, bekommt den Job, weil ihn Castor sofort in sein Terrierherz schließt, und weil er die Zubereitung von Korgs Lieblingsgetränk „Sprizz bitter“ beherrscht.
Von November bis Jänner profiliert sich Smut als Haushaltsmanager, Hundesitter und Privatsekretär, protokolliert nicht nur, was Korg ihm erzählt, sondern lässt sich auch faszinieren von dieser beinahe 100jährigen Lebensgeschichte. Korg ist ein gewitzter Erzähler und überrascht auch mit philosophischen Exkursen. Der Sprizz bitter fließt dabei in Strömen.
Meilensteine der Korg-Vita sind einerseits sein Überleben der NS-Zeit als U-Boot in den Bergen zwischen Bad Ischl und dem Attersee, andererseits sein „k & w – actionistisches Kasperltheater“, das er gemeinsam mit seinem angeblichen Mentor O. U. Wysznarsz (der in dieser Erzählung eine ebenso tragende wie geheimnisvolle Rolle spielt) in den 1960ern auf die Beine gestellt hatte. Insbesondere das Stück „Verdauungstrilogie“, den Magen eines sterbenden Alkoholikers darstellend, soll seinerzeit für Negativschlagzeilen und polizeiliche Interventionen gesorgt haben.
In „Sprizz bitter“ kommen aber auch Liebe und Sex nicht zu kurz. Korg unterhält ein erotisches Verhältnis zu einer in die Jahre gekommenen „Exkellertheaterdiva“, die ihn als Theaterguru verehrt, regelmäßig die Fenster der Casa Rosa putzt und sich dem „Altmeister“ im Bedarfsfall hingibt. Smut lernt im Zuge seiner Dogsittings die Theaterwissenschaftsstudentin My kennen, die ebenfalls einen Hund betreut, der nicht ihr gehört, und verliebt sich in sie, während sie eher an Korg interessiert ist. Das Thema ihrer Abschlussarbeit lautet „experimentelles Theater der 1960er- und 70er-Jahre in Österreich“. Zudem verliebt sie sich in Korgs Muse Zoe, die „Exkellertheaterdiva“. Die beiden gründen sogar eine WG in Smuts Wohnung, nachdem dieser zu Korg und Castor in den Fiakerhof übersiedelt ist.
Das „Theater im Achterloch“, Zoes letzter Auftrittsort als Actrice, lädt Korg zu einem Remake der „Verdauungstrilogie“ unter dem Motto „verworfene Avantgarde“ ein. Zu viert wird die „actionistische Kasperltheaterbühne“ wieder auf Vordermann gebracht, organisiert und geprobt. Die Einladung entpuppt sich jedoch als Flop. Der Manager des „Achterlochs“ hat sich mit sämtlichen Fördergeldern bald aus dem Staub gemacht. Aber Korg lässt nicht locker. Das Event findet stattdessen in der Casa Rosa statt und wird nicht nur regional ein großer Erfolg. Auch internationale Kulturzentren bekunden ihr Interesse an dieser Art Aktionismus-Nostalgie. Korg wird geehrt, erhält Subventionen, sieht sich am Ziel seines Lebens und will endlich sterben. Sein Tod – ein künstlerisches Ereignis, das er im Rahmen einer überaus stimmungsvollen Weihnachtsfeier pathetisch ankündigt. Leider misslingt das Vorhaben und muss zu einem späteren Zeitpunkt wiederholt werden. Ebenfalls erfolglos. Der Anzahl der korgschen Versuche, aus dem Leben zu scheiden, sind in dieser Geschichte keine Grenzen gesetzt.
Tatsache ist, dass My ihre Abschlussarbeit über Korg und dessen „actionistisches Kasperltheater“ vollendet, Smut von Korg adoptiert wird und die Casa Rosa in ein internationales Zentrum zur Pflege des „Aktionismus im 20. Jahrhundert“ umgewidmet und finanziell unterstützt wird. Smut verwaltet die nunmehrige Stiftung, in die neben dem Terrier Castor natürlich auch Zoe und My eingebunden sind. Von Korg, der Jahr für Jahr spektakuläre Sterbeversuche ankündigt (ohne sie zu Ende zu bringen) und von Smut weiterhin mit seinem geliebten Sprizz bitter versorgt wird, wenn ihm danach ist, ganz zu schweigen.
Die „Verdauungstrilogie“ wird fortan alljährlich kurz vor Weihnachten im Fiakerhof der Casa Rosa zur Aufführung gebracht, ganz ähnlich dem Salzburger „Jedermann“ zur Festspielzeit.
Sowas gefällt dem Commodore!
Montag, 4. Mai 2009
Mittwoch, 4. Juni 2008
wind of change
Sonntag, 8. Juni, Multikultievent am Piaristenplatzl in der Josefstadt, ab 16 Uhr, Literatur, Musik , Kulinarik, Schabbesclub, Gabriela Hütterova, Tschuschenkapelle, Ernst Wünsch, Hang (ein seltener Klang!) & Reggae. Motto: siehe Titel. Übersetzt in etwa: Wind des Wandels. Oder Wechselfurz. Das EM-Match ist sowieso erst abends. Commodore geht hin. Vielleicht sieht man sich ja.
Dienstag, 11. März 2008
Commodore an Reichsmark
Habe mich eingehend mit dem Nenngerät "Praktikant" auseinandergesetzt. In der männlichen Form erkennen wir in der Endsilbe einen namhaften Philosofen (Philos-Ofen!?), der aber auch am Ende von "Trafikant" steht. Wenden wir uns der weiblichen Form zu, also der "Praktikantin". Da ich nicht annehme, dass Herrn Kants Mutti oder seine Frau oder seine Schwester oder seine Tochter "Kantin" genannt wurde, ist es erforderlich, eine erneute Rechtschreibreform zu initiieren. Wir schreiben demnach nicht mehr "die Praktikantin", sondern "die Praktikantine", was entschieden mehr kulinarischen Touch hat. Das heißt aber nicht, dass aus "der Praktikant" automatisch "der Praktikantineur" werden muss. Obwohl es bei "Trafikant" noch mehrere Variationen gibt (z.B. traffic-ant, also Verkehrsameise), beendet der Commodore fürs erste seine Praktikantinen-Visite (nicht zu verwechseln mit Praktikantinnen-Visite!) & grüßt die kleine Welt, die sein Breitensee umgibt. Insbesondere Kärnten gilt dieser Blog. Gesundheit dem Herrn Reichsmark!
Mittwoch, 5. Dezember 2007
Nirgendwohin
Commodore beginnt diesen Tag mit einem bombastischen Nikolausgedicht:
Noch ehe
die vier apokalyptischen Reiter
auf ihren schnaubenden Rossen
unter dem Getöse kicksender Fanfaren
im gestreckten Galopp in die Sägespäne
dieser Jahrmarktsmanege sprengen,
will ich gegangen sein.
Weder hinter den zerschlissenen Vorhang,
der sich teilen wird,
sobald ein Trommelwirbel Schweigen gebietet,
noch anderswohin.
Ich will nirgendwohin
gegangen sein.
Noch ehe
die vier apokalyptischen Reiter
auf ihren schnaubenden Rossen
unter dem Getöse kicksender Fanfaren
im gestreckten Galopp in die Sägespäne
dieser Jahrmarktsmanege sprengen,
will ich gegangen sein.
Weder hinter den zerschlissenen Vorhang,
der sich teilen wird,
sobald ein Trommelwirbel Schweigen gebietet,
noch anderswohin.
Ich will nirgendwohin
gegangen sein.
Mittwoch, 14. November 2007
Alberich
Alberich hat heute Namenstag, ist aber meines Wissens kein Heiliger, sondern ein Zwergenkönig. Also unter den Zwergen ein ganz Großer. Überaus passende Überleitung zu einer Episode, die sich gestern ereignet hat, mit Beaverdog Snoopy als Protagonist, um nicht zu sagen, Held. Ein- bis zweimal die Woche nimmt Snoopy, dieser 12 kg schwere, kniehohe Bunkerterrier, an einem Gruppenausflug in den Wienerwald zusammen mit 15 bis maximal 20 anderen Hunden teil. Innerhalb dieses Rudels werden die Sozialkontakte gepflegt. Die Teilnehmer kennen einander schon seit geraumer Zeit. Eine lose Rangordnung hat sich dabei natürlich auch ergeben. Rasse, Größe, Geschlecht & Alter spielen in diesem Rudel eine eher untergeordnete Rolle. Snoopys Funktion ist in etwa die eines Unterscharführers, weil er sich für eine spezielle Gruppierung innerhalb des Rudels verantwortlich fühlt. Und es trug sich zu, dass während des abschließenden Spielens auf einer weitläufigen Wiese im Neuwaldegger Schwarzenbergpark eine schwarzweiße Dogge im besten Pubertätsalter, die NICHT zum Rudel gehörte, eine böse Attacke gegen einen älteren Retrieverrüden ritt, ihn mit den geifernden Fängen am Nacken packte & beutelte & schüttelte wie Snoopy zuhause immer seine quietschenden Gummitiere. Snoopy nahm den Vorgang mit Besorgnis wahr, schaltete blitzschnell, bedrohte den fremden Doggenrüden mit extemporiertem Knurren & griff ihn, als das nichts nützte, an, sprang seitlich an ihm hoch & biß ihm links & rechts mit zu Gebote stehender Brutalität dermaßen in die Lefzen, das der Angreifer die Flucht ergriff. Des Commodores Herz ist natürlich mit Stolz erfüllt & der tapfere Terrier machte in der Rudelrangordnung sicher einen Karrieresprung nach oben. Dies war Commodores Alberich-Blog zu gegebenem Anlaß.
Dienstag, 16. Oktober 2007
Santiago
Genauer gesagt Santiago 13, wahrscheinlich weil dieses Lokal mit dem Bus 13A erreichbar ist. Dann hätte es aber ebenso Santiago 5 heißen können. Diese Schneckentram kurvt ebenfalls dort herum. Wären 13er & 5er S-Bahnen, würde Chris Lohner aus dem Lautsprecher hauchen: "Nächster Halt Kochgasse" &, weil Wien ja eine internationale Metropole ist: "Next stop Cooklane". In dieser Gasse auf Nummer 21 (obwohl weit & breit kein 21er verkehrt) ist das Santiago 13, wo letzten Samstag die szenische Lesung des Hütter-Wünsch-Hörspiels IMMER WENIGER stattgefunden hat. Mit ziemlichem Erfolg. Denn am Samstag, 27.10., geben Hütter-Wünsch dortselbst ihr nächstes Gastspiel. Lesung des SCHABBESCLUBS. Beginn 20 Uhr (wobei 21 Uhr eher einen Bezug zur Hausnummer hätte. Andererseits: um 13 Uhr hätten wir kaum mehr Publikum als um 5). Der Roman wird dort in einer bibliophilen Ausgabe der Privatedition Schreibstudio auch käuflich erwerbar sein. Im Übrigen ist das Santiago 13 ein sehr gemütliches Beisel mit bunt gemischter Klientel.
Dies war Commodores erster Blog seit über 3 Monden. Damals freute er sich gerade über die Fertigstellung von IMMER WENIGER. Jetzt freut er sich auf die neue Lesung mit La Hütterova. Das ist ein beachtlicher Durchschnitt. Commodore freut sich demnach rund 4x im Jahr. Der Rest ist ein kreativer Dämmerzustand mit vereinzelten depressiven Highlights, z.B. wenn er an seinem aktuellen Romantext herumbastelt, den Haushalt führt & mit Beaverdog durch den Wienerwald streift.
Falls es Bloggi interessiert: heute ist Hl.Hedwig (auf Spanisch "Edovijis"), das sollte der Korrektheit halber festgehalten werden.
Dies war Commodores erster Blog seit über 3 Monden. Damals freute er sich gerade über die Fertigstellung von IMMER WENIGER. Jetzt freut er sich auf die neue Lesung mit La Hütterova. Das ist ein beachtlicher Durchschnitt. Commodore freut sich demnach rund 4x im Jahr. Der Rest ist ein kreativer Dämmerzustand mit vereinzelten depressiven Highlights, z.B. wenn er an seinem aktuellen Romantext herumbastelt, den Haushalt führt & mit Beaverdog durch den Wienerwald streift.
Falls es Bloggi interessiert: heute ist Hl.Hedwig (auf Spanisch "Edovijis"), das sollte der Korrektheit halber festgehalten werden.
Mittwoch, 6. Juni 2007
Immer Weniger
... oder Vorläufiger Stillstand einer rasanten Talfahrt. So heißt das Hörspiel, das Commodore fertig geschrieben hat, & zwar zusammen mit Gabriela Hütterova, deren Ressourcen er ausbeuten, deren Schicksal er ausweiden & deren Idiom er verwenden durfte. Sobald das Manus bei der Zupf-Edith (die natürlich nicht Zupf heißt, sondern U.G.; nur zupft sie einem ständig irgendwelche Fussel vom Pullover, wenn man ihr leibhaftig gegenüber sitzt, oder die feinen Härchen, die Mr.Snoop gern an mir abstreift, wenn er Streicheleinheiten einlöst) eingelangt sein wird (fut.ex.!), gehz wieder dahin mit romantischen Hundezonenblox & Naturtiraden wie etwa jener über die am Boden vermodernden Akazienblüten bei den Mistkübeln in der Flotowgasse (gespr.: Flotohgasse; man sagt ja auch nicht Klaus Jürgen Wussoff, sondern Wussoh; sozusagen: w=h. Wenn jetzt einer beispielsweise Wünsch heißen täte, könnte man ihn durchaus Hünscw nennen), eine sich dematerialisierende Blütenpracht, die, wenn es geregnet hat, aussieht wie gekotztes Risotto, dabei aber immer noch seifig riecht. Dann muss natürlich auch noch der Sprizz bitter fertig gemixt werden. Commodore darf sich also literarisch nicht in Etüden verausgaben, sondern muss mit seiner Power (Poher???) haushalten. Eingedenk der hoffentlich bald endgültig überstandenen viralen Insuffizienz seines schätzenswerten Bloggwarz würgt sich Commodore diese paar Beschwichtigungszeilen aus seinen vom Betriebsrat leicht blockierten Hirnwindungen, um nur ja nicht als faul dazustehn. Mit einer Anrufung des Tagesheiligen möge dieser Blog versöhnlich enden: Lieber heil´ger Ferdinand / reiche dem Bloggi deine Hand / geleite ihn durchs weite Land / von Nussdorf bis nach Samarkand / Ich selbst paniere mich mit Sand / an Hellas´ heißem Meeresstrand (=Urlaub in Kos vom St.Dietrichs-Tag bis zum hl.Waldemar) ...
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